Europawahlkampf in Reinickendorf

Während des Europawahlkampfes warben in Reinickendorf mehrere Parteien mit diskriminierenden Inhalten um Stimmen. Die NPD hängte vor allem in Reinickendorf-Ost, u. a. entlang der Aroser Allee, Gothard- und Emmenthalerstraße Plakate auf. Mit Slogans wie „Grenzkriminalität – Nicht mit uns“ und „Wir sind der Impfstoff gegen Asylbetrug“ und verbreitete damit wieder das rassistische Stereotyp des „kriminellen Ausländers“. Auch ein Plakat, das im Rahmen der „Schutzzonen“-Kampagne zu verorten ist, nimmt auf dieses Feindbild Bezug.
Verschiedene Plakate nahmen auf soziale Themen wie die finanzielle Situation von Familien mit Kindern („Eltern-Glück bezahlbar machen!“) oder Altersarmut („Mit 67 Jahren hört das Leben auf? Altersarmut – nicht mit uns“) Bezug. Der Slogan „Sozial geht nur national“ auf dem Werbeplakat für Udo Voigt und die Visualisierung der Familie als weiße Familie mit blonden Kindern machte unmissverständlich deutlich, dass der Sozialstaat nur für die Angehörigen eines völkisch definierten Kollektivs gelten solle und alle vermeintlichen Nicht-Deutschen diskriminiert werden sollten.
Ähnlich wie die NPD schürte auch die AfD mit Slogans wie “Grenzen sichern!“ und „Heimat bewahren“ Angst vor Migrant_innen. In Reinickendorf waren auch einige Großplakate aus der Reihe mit dem widersinnigen Titel „Aus Europas Geschichte lernen“ zu sehen, die jeweils berühmte Werke aus der europäischen Kunstgeschichte verwerteten. Das Plakat mit dem Slogan „Damit aus Europa kein ,Eurabien‘ wird!“ zeigt einen Bildausschnitt des Gemäldes „Sklavenmarkt“ des französischen Malers Jean-Léon Gérôme. Drauf ist eine nackte Frau in einem orientalisch anmutenden Innenhof zu sehen, die von einer Gruppe orientalisch gekleideter Männer umgeben ist und deren Körper von einem Kaufinteressenten begutachtet wird. Die AfD reproduziert mit dem Plakat nicht nur die zeitgenössische Schaulust an weiblicher Nacktheit und sexualisierter Gewalt, sondern auch den orientalistischen Blick auf die arabische Welt. Dem Spiegel erklärte der Erfinder des Plakats, es solle die Kölner Silvester-Ereignisse umsetzen. Die AfD setzt damit sexualisierte Gewalt durch Migrant_innen in der Gegenwart in Bezug auf eine vermeintlich reale Vergangenheit und suggeriert damit, arabische Männer seien aufgrund einer generellen kulturellen Eigenschaft schon immer eine Bedrohung für weiße Frauen gewesen. Der Slogan vermittelt in diesem Kontext die Botschaft einer drohenden Eroberung und Umformung Europas durch eine arabische Kultur, die von der AfD mit Sklavenhandel und sexualisierter Gewalt gleichgesetzt wird.

Register: 
Reinickendorf
Datum: 
2019-05-26 00:00:00
Quelle: 
Recherchen des Register Reinickendorf